Nahezu alle Mitgliedsverbände vor Ort, wichtige Fortschritte bei der europäischen Normungsarbeit und neue Impulse für Digitalisierung und Wissenstransfer: Die Generalversammlung der European Sign Federation (ESF) in Budapest zeigte, dass sich die europäische Lichtwerbebranche gemeinsam in die richtige Richtung bewegt.
Die hohe Beteiligung an der Generalversammlung unterstrich dabei den Stellenwert der europäischen Zusammenarbeit. Nahezu alle ESF-Mitgliedsverbände waren mit ihren Delegierten in Budapest vertreten. Entsprechend intensiv war der fachliche Austausch über aktuelle Herausforderungen, gemeinsame Projekte und die nächsten Schritte für die Branche.
EN 50107-3: Revision macht große Fortschritte
Ein wichtiger Schwerpunkt war der Bericht von Fausto Martin über die erfolgreiche Arbeit der Working Group EN 50107-3. Die Arbeitsgruppe kommt bei der Revision der Norm EN 50107-3 für LED-Lichtwerbeanlagen deutlich voran.
Die Überarbeitung ist für die Branche von besonderer Bedeutung: LED-Technologien und die damit verbundenen Anwendungen haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Umso wichtiger ist ein zeitgemäßer normativer Rahmen, der diese technische Entwicklung berücksichtigt und Herstellern, Planern und ausführenden Unternehmen europaweit Orientierung gibt.
Die Fortschritte der Working Group zeigen zugleich, welchen wichtigen Beitrag die Zusammenarbeit innerhalb der ESF zur europäischen Normungsarbeit leisten kann.
ESF SignManual kurz vor der Veröffentlichung
Auch ein weiteres zentrales ESF-Projekt nähert sich einem wichtigen Meilenstein: Das ESF SignManual steht kurz vor seiner Veröffentlichung gemeinsam mit DIN Media.
Das SignManual verfolgt dabei ganz bewusst einen praxisnahen Ansatz. Komplexe technische und normative Anforderungen werden in verständlicher Sprache erläutert und anhand von Best Practices für die tägliche Arbeit aufbereitet. Neben den Anforderungen des Code of Practice werden insbesondere die für die Lichtwerbung relevanten Normen verständlich erklärt und in einen praktischen Zusammenhang gestellt.
Damit soll das ESF SignManual Unternehmen und Fachleuten eine verlässliche Orientierung bieten und dazu beitragen, Fachwissen innerhalb der europäischen Sign- und Lichtwerbebranche noch besser zugänglich zu machen.
Digitalisierung über den gesamten Lebenszyklus
Wie digitale Lösungen die Branche künftig unterstützen können, zeigte ein Vortrag des australischen Unternehmens Plyrix. Vorgestellt wurde eine Plattform, mit der Lichtwerbeanlagen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg digital begleitet und überwacht werden können – von der Produktion über die Installation bis hin zu Wartung und Service.
Gerade dieser durchgängige Ansatz machte deutlich, welches Potenzial in der Digitalisierung von Prozessen liegt. Informationen zu einer Anlage können zentral verfügbar gemacht, Abläufe transparenter gestaltet und Wartungs- und Serviceprozesse effizienter organisiert werden. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für Hersteller und Betreiber ebenso wie für Montage- und Serviceunternehmen.
Neues Projekt: Zeitgemäßer Umgang mit Lichtimmissionen und Leuchtdichten
Mit einem neuen Projekt greift die ESF ein Thema auf, das für die Zukunft der Lichtwerbung zunehmend an Bedeutung gewinnt: den Umgang mit Lichtimmissionen und Anforderungen an die Begrenzung von Leuchtdichten.
Die Branche will die damit verbundenen Anforderungen aktiv mitgestalten und sich frühzeitig mit der Frage auseinandersetzen, wie sich der Schutz von Mensch, Umwelt und Natur mit den funktionalen und gestalterischen Anforderungen moderner Lichtwerbung sinnvoll in Einklang bringen lässt. Ziel ist es, zeitgemäße, intelligente und in der Praxis umsetzbare Lösungen zu entwickeln, anstatt lediglich auf neue Anforderungen und Grenzwerte zu reagieren.
Eine wichtige Grundlage für die weitere Diskussion liefert in Deutschland die BfN-Schrift 772 des Bundesamtes für Naturschutz. Positiv für die Lichtwerbebranche ist insbesondere, dass Lichtwerbung dort differenziert betrachtet und nicht der Allgemeinbeleuchtung gleichgestellt wird. Damit wird berücksichtigt, dass Lichtwerbeanlagen eine andere Funktion erfüllen und entsprechend differenzierte Bewertungsmaßstäbe erforderlich sind.
Genau hier setzt die neue Initiative an: Die ESF möchte sich proaktiv mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Anforderungen auseinandersetzen und zugleich die Besonderheiten der Lichtwerbung in die Diskussion einbringen. Moderne Steuerungstechnik, bedarfsgerechte Helligkeiten, Dimmung und intelligente Betriebszeiten bieten heute Möglichkeiten, Licht gezielter einzusetzen und unnötige Lichtemissionen zu reduzieren.
Damit soll ein Ansatz entstehen, der Umweltverantwortung und die berechtigten Anforderungen der Lichtwerbung miteinander verbindet – technisch fundiert, differenziert und mit einem klaren Blick auf die praktische Umsetzung.
Gemeinsam die Zukunft der Branche gestalten
Die ESF-Generalversammlung in Budapest zeigte einmal mehr, welchen Wert der intensive Austausch über Ländergrenzen hinweg für die Lichtwerbebranche hat. Normung, praxisnaher Wissenstransfer und Digitalisierung sind unterschiedliche Themenfelder – sie verfolgen jedoch ein gemeinsames Ziel: verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und die Branche fit für die Zukunft zu machen.
Die hohe Beteiligung der Mitgliedsverbände und die konkreten Fortschritte bei wichtigen europäischen Projekten sind dafür ein positives Signal. Budapest hat gezeigt: Die Themen sind gesetzt, die Projekte kommen voran – und die europäische Lichtwerbebranche gestaltet ihre Zukunft gemeinsam.