Erste Schritte zur Normung
Etwas mehr als zehn Jahre ist es her, dass die European Sign Federation (ESF) im Mai 2015 den Startschuss für die Projektgruppe zur Evaluierung eines Standards bzw. Norm für Lichtwerbeanlagen gab. Parallel dazu wurden vielversprechende Gespräche vom ESF-Vorstand mit der CEN in Brüssel geführt. Und nach nur zweieinhalb Jahren war der erste Entwurf eines Code of Practice durch die Projektgruppe so weit ausgearbeitet, dass dieser bei der CEN mit dem Ziel, ein Technisches Komitee (TC) einzurichten, eingereicht werden konnte. Das zukünftige TC sollte dann auf Basis des Entwurfs eine Norm etablieren.
Im Normungs-Dschungel Europas
Jedoch mahlten die europäischen Mühlen langsam. Eine erste Abstimmung bei der CEN war nicht erfolgreich, trotz einer Mehrheit von Delegierten Es fehlte eine aktive Unterstützung durch die nationalen Normungsinstitute. Um Widerstände durch vermeintliche Überschneidungen mit anderen TCs zu entkräften, wurden etliche Gespräche geführt.
Eine zeitraubende Arbeit, die durch die Pandemie dann fast zum Erliegen kam.
Trotzdem wurde der Code of Practice parallel zum CEN-Dokument weiterentwickelt, da sich viele neue Themen aus neuen Gesetzen auf nationaler und europäischer Ebene ergaben. Ursprünglich lag der Focus des CoP auf der Herstellung unter Berücksichtigung der konstruktiven Sicherheit. Inzwischen konzentrieren sich die Projektteams vor allem auf das lichttechnische Design von Lichtwerbeanlagen.
Die bisherigen Erweiterungen der Inhalte (und auch zukünftige technische Neuerungen) des Code of Practice haben aber letztlich dazu geführt, dass sich die Abbildung der Herstellung von Lichtwerbeanlagen durch eine Norm als sehr komplex darstellt.
DIN-Vorschlag ebnet den Weg zum Regelwerk
Thomas Berens, technischer Direktor bei der ESF, hat intensive Gespräche mit der DIN geführt. Die DIN ist ein europaweit anerkanntes Normungsinstitut und hat mit Berens eine mögliche Variante zu einer Norm erarbeitet.
Der Vorstand des ESF folgt nun der Empfehlung, einen Zwischenschritt zu einer Norm in Form eines Regelwerks als pränormatives Dokument zu machen. Dies soll dann über die DIN-Media europaweit publiziert werden.
Als Basis dient der aktuelle vom ESF publiziert Code of Practice Rev. 11.1. Das Regelwerk enthält lizensierte Auszüge aus wichtigen Normen.
Grafiken sollen die Inhalte anschaulich erklären, sowie die immer wiederkehrende Frage klären: Ist Lichtwerbung eine Installation oder ein Produkt?
Welchen Nutzen hat das neue Regelwerk im Vergleich zu einer Norm?
Ein Regelwerk bietet eine größere Flexibilität des Contents im Vergleich zu einer Norm.
Außerdem ist damit eine praxisgerechtere Formulierung (Stichwort „leicht zu lesen“) erlaubt und von den Herausgebern ausdrücklich gewünscht.
Das Buch soll alle wichtigen Aspekte für Lichtwerber kurz und prägnant darstellen – insbesondere jene Punkte, die für die Einhaltung der geltenden Normen bei Herstellung und Montage von Lichtwerbeanlagen relevant sind.
Dazu kommt, dass die Inhalte dieses Regelwerks durchaus für nötige Zertifizierungen von Lichtwerbern verpflichtend sein können!
Warum brauchen wir eigentlich noch ein Regelwerk – es gibt doch schon genug Vorschriften?
LWD-Vorstandsvorsitzender Hans Joachim Kremser und General Manager ESF: Ganz einfach: Wenn wir unsere Spielregeln jetzt nicht selbst definieren, werden sie uns von außen diktiert. Der Code of Practice ist unser Schutzschild und Qualitätsvorsprung! Damit gestalten wir unsere Zukunft!
Wann und wie das Regelwerk erscheint
Auf der letzten Herbsttagung des ESF im Oktober 2025 wurde das Projekt von der General Assembly freigegeben. Das Regelwerk wird in Englisch und Deutsch als Erstauflage herausgegeben werden, sowohl als Printausgabe als auch als eBook. Ziel des ESF und der Autoren ist es, dass das Regelwerk im letzten Quartal 2026 verfügbar ist.
Autor: Thomas Berens, 26.10.2025